Den von allen gerne bezweichneten "Kulturschock" hatte ich allemal! Den ersten Tag, welchen ich noch alleine in Mumbai verbrachte, traute ich mich vor dir Tür des Hostels und stand in Mitten einer anderen Welt! So kam es mir jedenfalls vor. Hätte ich Indien bloß diesen einen Tag gesehen und hätte ich dieses Land beschreiben sollen, so hätte ich nicht mehr als drei Worte gebraucht: dreckig, laut, chaotisch! Wo man auch hinschaute: Müll! Ein Uringestank lag in der Luft und von Straßenverkehrsordnungen scheint man hier nichts zu wissen. Menschen, Autos und Rikshas teilen sich einen, mit vielen Schlaglöchern und ohne Straßenlinien versehrten Weg. Es wird durchgehend gehupt und man hat Angst, jeden Moment überrollt zu werden.
Bettelnde Menschen überall. Viele von ihnen scheinen kein Zuhause zu haben. Nach 15 Minuten allein im "Jungle" Indiens, verbrachte ich den restlichen Tag in meinem Zimmer, um das Erlebte zu verarbeiten. Abends nahm ich dann einen Schlafbus nach Udaipur, wo sich Marcel aufhielt.
Es erwartete mich die wohl schlimmste Busfahrt meines Lebens. Das Bett, welches nicht länger als 1,50m war und in Höhe meiner Körpergröße lag, war das einzige, welches keine Schiebetüren besaß, welche einen vor dem Rausfallen schützen sollten. Durch die unbearbeiteten Straßen wurde die 17 stündige Fahrt mit 2 Pausen (Hinter einer Wand im Dreck sollten wir auf "Toilette" gehen) zur reinsten Wackelveranstaltung, die ohne permanentes Festhalten unmöglich erschien.
In Udaipur angekommen, wandte sich das Blatt meiner Empfindungen über Indien. Marcel hatte ein wunderschönes Hostel, direkt am See gefunden, von dem man einen traumhaften Ausblick hatte. Mittlerweile hatte ich mich nun auch an das etwas andere Leben hier gewöhnt. Es braucht seine Zeit!
Vieles ist erschreckend! Beispielsweise ist es doch ein Unding, dass wir uns hier als Reiche Menschen bezeichnen können. Das Leben kostet uns hier fast nichts. Man kann sich nahezu alles leisten, ohne zu denken "oh, da habe ich jetzt aber tief in die Tasche gegriffen". Ich denke einige von euch denken jetzt "ist doch super!" Das ist es aber nicht immer! Natürlich ist es toll, mal nicht über das Geld nachdenken zu müssen aber eines darf man nie vergessen: Vor deinen Augen spielt sich ein Leben ab, wie wir es uns kaum vorstellen können. Für die Menschen hier scheint es so weit in Ordnung zu sein, dennoch wissen sie, wie anders das Leben sein könnte.
Kinder, nicht älter als 12 Jahre, bedienen uns, stehen in der Küche und kochen. Wie kleine Erwachsene müssen sie das Leben meistern. In einer Zeit, in der wir unseren Phantasien freien Lauf lassen und uns unserer Kindheit voll und ganz widmen konnten. Die wenigesten Kinder haben hier Spielsachen. Sie verbrigen ihre Zeit auf den Straßen. Viele von ihnen bettel uns mit traurigen Augen um etwas zu Essen oder Geld an. Es sind zu viele, um helfen zu können. Ein paar Rupien oder eine Packung Kekse bringen ihnen vielleicht für einen Abend einen gefüllten Bauch, doch schon am nächsten Tag blickt man erneut in diese Augen. Es ist ein wohl niemals endender Prozess, der dich niemals zufrieden stellen kann, egal wieviel du gibst.
Wir sitzen auf der Dachterasse unseres Hotels - diesmal in Pushkar.
Streitereien und Hundegebell hörten wir schon zuvor. Für eine gewisse Zeit beobachten wir das Treiben. Ein Mann scheint außer sich vor Wut! Legt sich mit einer Gruppe junger Inder an. Es kommt zu körperlicher Gewalt. Nur einige Meter weiter erblicke ich eine Gruppe von Hunden, die vor einigen obdachlosen Schlafenden ein ähnliches Bild abgibt. Der Gedanke, dass Mensch und Tier hier ein so ähnliches, fast gleich trauriges Leben führen, bringt mich zum nachdenken! Wie kann es sein, dass Mensch und Tier gemeinsam auf den Straßen leben, gemeinsam Hunger leiden und einen so ungepflegten und kranken Eindruck abgeben. Wie kann die Welt hier so unterschiedlich zu der Welt in Deutschland sein? Es ist erschreckend!
Wenn wir hier durch die Straßen laufen, so möchte uns wirklich jeder etwas verkaufen. In jeden Laden sollen wir kommen, jedem etwas Geld geben. Manchmal kommt es penetrant rüber. Es reicht ihnen nicht, wenn man eine Sache kauft - man soll sich noch mehr umschauen. Den erwachsenen bettelnden Menschen reicht die Spende nicht, die du ihnen gabst- sie fordern dich auf, mehr zu geben. Kleine Kinder führen dich zu Ständen und sagen dir, was du ihnen kaufen sollst. Man steht in Mitten eines Konfliktes, welches du dir selbst machst. Auf der einen Seite tun dir diese Menschen leid und du bekommst ein schlechtes Gewissen, wenn du sie stehen lässt und ignorierst. Auf der anderen Seite regst du dich über jene auf, die niemals genug von dir bekommen und letzendlich fragst du dich selbst, ob du richtig gehandelt hast. Zweifelst an dir selbst. Du musst dir klar machen, dass du nicht allen helfen KANNST auch wenn du willst.
Auch wenn diesen Spruch schon viele Leute von sich gegeben haben, und wir ihn alle schon in Zeiten eigener Unzufriedenheit hören mussten - wenn du einmal diese Welt vor Augen hattest und sehen konntest, wie dein Leben unter anderen Umständen hätte verlaufen können, so nimmst du diesen Satz auch ohne ein genervtes Stöhnen an dich: Wir sollten wirklich mit dem zufrieden sein, was wir haben und uns nicht über unnötige Dinge aufregen. Wir Kinder und Jugendlichen sollten uns glücklich schätzen, dass wir zur Schule oder Uni gehen dürfen, denn die meisten Kinder können das hier nicht! Und wir sprechen hier gerade nur von Indien, genauer gesagt - einem kleinen Teil Indiens, den ich kennengelernt habe und auf der Welt gibt es noch so viel mehr!
unser Bad, dessen Toilette keine Spühlung besitzt, sodass der Metalleimer zur Toilettenspühlung wird
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leider musste ich jegliche Fotos, auf denen Marcel abegebildet ist loeschen - warum auch immer! Hier waere normalerweise ein Foto von der Familie die wir kennen gelernt habe...
Die Familie, die uns fragten, ob wir Geschwister werden :)
meine neue Schwester, die darüber total stolz war (Ich sehe total unproportional riesig gegen sie aus oder? :) )
auch hier waere das Foto vom Schneider aber leider ist Marcel mit drauf
unser Schneider, der uns insgesamt 2 Hemden und 2 Hosen maßschneiderte
unser Schneider, der uns insgesamt 2 Hemden und 2 Hosen maßschneiderte
Liebe Möhre, ich freue mich sehr für all die Erlebnisse, die deinen Horizont erweitern und deinen Charakter prägen. Wir dürfen das alles nur nicht vergessen wenn wir wieder in der heilen Welt sind. Bin grad aus Nashville zurück und hatte eine tolle Zeit. Mein Fazit zur Dankbarkeit über all das Schöne was ich erlebe: tu mit deinen Fähigkeiten, Talenten so viel Gutes wie möglich. Bis bald in Solingen? Dein Jürgen
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